woman: Sie spielen einen Seeräuber. Wollten Sie früher auch als Pirat über die Weltmeere segeln?
JD: Klar! Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, habe ich immer mit einem Holzsäbel gefochten. Bei den Dreharbeiten ging für mich ein Jugendtraum in Erfüllung. Mein Kollege Orlando Bloom und ich konnten gar nicht fassen, dass man für so etwas Tolles auch noch bezahlt wird.
Mussten Sie vor den Dreharbeiten noch auf die Piratenschule?
Ja, in erster Linie, um Fechten zu lernen. Fechten ist nämlich gar nicht so leicht, wie es aussieht. In fünf Minuten bist du total außer Atem - und wir haben das oft stundenlang gemacht!
Haben Sie sich vorher auch andere Seefahrerfilme angeschaut?
Klar, für mich sind Piraten die ersten Rockstars. Auch Keith Richards von den Rolling Stones ist ein Pirat. Er und eine Cartoonfigur, ein Stinktier, waren schon immer meine Vorbilder.
Weiß Keith Richards das?
Ich habe es ihm nicht gesagt, aber Andeutungen gemacht. (lacht)
Der Film "Fluch der Karibik" ist nicht gerade ein Stück von Shakespeare. Was hat Sie dazu bewogen, in einem Blockbuster mitzuspielen?
Die Drehbuchautoren sind die gleichen, die auch "Shrek" geschrieben haben und das hat mir eigentlich schon ausgereicht, um Ja zu sagen. Außerdem ist Captain Jack Sparrow eine sehr schillernde Figur und mir war klar, dass ich viel Spaß haben würde.
Stimmt es, dass sie während der Dreharbeiten in der Karibik auf einem Schiff gelebt haben?
Ja, und meine ganze Familie mit mir. Es war fantastisch und natürlich auch gut für die Rolle. Der Captain ist ein Mann, der Schiffsplanken unter den Füßen haben muss. An Land fühlt er sich ein wenig unsicher auf den Beinen.
Was hat Ihre Tochter Lily-Rose zu Ihrem Piratenkostüm gesagt?
Sie war begeistert. Nach einer Weile war es für sie ganz selbstverständlich, dass ich so rumgelaufen bin. Und als jemand sie fragte, was ihre Eltern von Beruf seien, sagte sie: "Meine Mami ist Sängerin, und mein Papi ist Pirat."
Lily ist vier, Ihr Sohn Jack ist ein Jahr alt - sind weitere Kinder geplant?
Geplant würde ich nicht gerade sagen. Wir nehmen es, wie es kommt. Ich hätte aber ebstimmt nichts dagegen. Von mir aus könnten wir hundert Kinder haben.
Und auch hundert Windeln wechseln?
Warum nicht? Das macht doch Spaß! Also, da kenne ich weit schlimmere Sachen.
Wie haben Sie Ihre Lebensgefährtin Vanessa Paradis kennen gelernt?
Roman Polanski hatte mich 1998 für den Thriller "Die neun Pforten" engagiert, der in Frankreich gedreht wurde. Eines Tages erschien Vanessa am Set, wir wurden einander vorgestellt und da ist es passiert: Liebe auf den ersten Blick! Ich bin dann gleich in Frankreich geblieben, weil mich das Land immer schon fasziniert hat. Ein paar Monate später war Vanessa schwanger und seitdem sind wir eine kleine Familie.
Wie haben Ihre Kinder sie geprägt?
Mir hat sich eine völlig neue Welt aufgetan! Jetzt dreht sich alles nur noch um die Kinder. Alles, was ich mache - die Filme, die ich drehe, die Musik, die ich spiele - alles ist für sie! Ich fühle mich so stark, dass mir nichts unmöglich erscheint. Ein tolles Gefühl!
Sie leben die meiste Zeit in Frankreich. Was gefällt Ihnen so an diesem Land?
Alles. Die Menschen, die Lebensart, das Essen, der Wein. Früher wusste ich nicht, was gutes Essen ist. Mir war alles verdächtig, was nicht von McDonald's kam. Heute bin ich ein Feinschmecker. Außerdem ist es in Frankreich wesentlich friedlicher als in den USA. Deshalb bin ich froh, dass meine Kinder dort nicht aufwachsen müssen.
Hat Sie das Leben in Europa verändert?
Ich denke schon. Ich bin ruhiger und ausgeglichener geworden und zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich wirklich zu Hause. Ich bin dadruch nicht nur ein besserer Mensch geworden, sondern auch ein besserer Schauspieler. Vanessa und die zwei Kinder geben mir die nötige Kraft und Stärke, um neue Herausforderungen anzunehmen.
Sprechen Sie denn inzwischen fließend Französisch?
Leider noch nicht. Das wird wohl noch ein paar Jahre dauern. Aber ich komme ganz gut zurecht. Wir sind auch nicht ständig in Frankreich, sondern pendeln zwischen Amerika und Frankreich hin und her. Es ist ein Zigeunerleben. Aber ich fühle mich wohl dabei, solange die Familie zusammen ist. Ich brauche Vanessa und die Kinder um mich herum - und wenn es in einem Hotelzimmer ist.
Zwischen den USA und Frankreich kam es wegen des Irak-Krieges zu Spannungen. Spürt man das noch in Frankreich?
Überhaupt nicht. Ich glaube, die Franzosen können die ganze Aufregung der Amerikaner nicht verstehen. Aber sie wissen natürlich, was dahinter steckt. Wenn der Name Bush fällt, grinsen sie wissend. Das gefällt mir.
Was halten Sie persönlich von der Politik des US-Präsidenten?
Was mich an Bush besonders enttäuscht, ist, dass er ein so schlechter Lügner ist. Als Politiker sollte er wenigstens gut lügen können. Aber er kann anscheinend noch nicht einmal das.